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Weitspannregal richtig auswählen: Wann es Fachboden- und Palettenregal schlägt

Weitspannregal richtig auswählen: Wann es Fachboden- und Palettenregal schlägt

Feldbreiten bis 2,5 m, Fachlasten von 400 bis 1.015 kg, Handbedienung: Wann das Weitspannregal die richtige Wahl ist, wie Sie zwischen WS 2000, WS 3000 und W 100 entscheiden und welche Regeln der DGUV Information 208-061 auch für handbediente Regale gelten.

Kreckler GmbH21. September 20268 Min. Lesezeit

In diesem Artikel: Fachlast-Rechner: Fach- und Feldlast direkt berechnen

Kartons, Reifen, Ersatzteile, Kanister, sperrige Baugruppen: Vieles im Betrieb ist zu breit oder zu schwer für ein Fachbodenregal, aber nicht palettiert und damit auch kein Fall für das Palettenregal mit Stapler. Genau in dieser Lücke steht das Weitspannregal. Es wird von Hand bedient, bietet Feldbreiten bis 2,5 m ohne Zwischenstütze und trägt je Ebene mehrere hundert Kilogramm.

Dieser Ratgeber zeigt, wann ein Weitspannregal die richtige Wahl ist, wie Sie zwischen den Systemen WS 2000, WS 3000 und W 100 entscheiden und welche Sicherheitsregeln aus DGUV Information 208-061 und DIN EN 15635 auch für handbediente Regale gelten. Wenn Sie Fachlast und Feldlast noch nicht sicher auseinanderhalten, lesen Sie vorab Fachlast und Feldlast beim Regal.

Was ein Weitspannregal ausmacht

Ein Weitspannregal ist konstruktiv ein Zwischending: Stützrahmen wie beim Palettenregal, Bedienung von Hand wie beim Fachbodenregal. Drei Merkmale unterscheiden es von beiden Nachbarn:

  • Feldbreite: Standardraster von 1.500 bis 2.500 mm. Ein Fachbodenregal endet üblicherweise bei rund 1.300 mm, weil der Fachboden sonst durchhängt.
  • Fachlast: je nach System 400 bis über 1.000 kg pro Ebene, gleichmäßig verteilt. Fachbodenregale liegen meist zwischen 80 und 330 kg.
  • Bedienung: ausschließlich manuell. Die Ebenen bestehen aus Stahlpaneelen oder Spanplatten auf Traversen. Kein Stapler fährt hinein, deshalb entfallen Anfahrschutz und Durchschubsicherung, die bei Palettenregalen Pflicht sind.

Die Höhe ist durch die Handbedienung begrenzt. Was oberhalb der Greifhöhe liegt, wird nur mit Tritt oder Regalleiter erreicht. Deshalb bleiben Weitspannregale in der Praxis bei 2.000 bis 3.000 mm Höhe mit drei bis sechs Ebenen.

Weitspann, Fachboden oder Paletten: Die Entscheidungstabelle

Die Frage „welches Regal" lässt sich fast immer über drei Kriterien beantworten: Wie groß ist die Ladeeinheit, wie schwer ist sie, und wie wird sie bewegt?

Kriterium Fachbodenregal Weitspannregal Palettenregal
Typische Ladeeinheit Kleinteile, Kartons, Sichtlagerkästen sperrige Kartons, Reifen, Kanister, Baugruppen, Langteile bis 2,5 m Europalette, Gitterbox
Feldbreite bis ca. 1.300 mm 1.500 bis 2.500 mm 1.800 bis 3.600 mm
Fachlast je Ebene ca. 80 bis 330 kg 400 bis 1.015 kg 1.500 bis 4.000 kg
Bedienung von Hand von Hand, ggf. mit Tritt oder Leiter Stapler oder Hochhubwagen
Anfahrschutz / Durchschubsicherung nicht erforderlich nicht erforderlich Pflicht bei Staplerbedienung
Typischer Einsatz Werkstatt, Kommissionierung, Büro Ersatzteillager, Kfz-Betrieb, Großhandel, Reifenlager Wareneingang, Versandlager, Blocklager-Ersatz

Faustregel: Passt die Ladeeinheit in ein Fachbodenregal, nehmen Sie das Fachbodenregal, es ist günstiger und flexibler unterteilbar. Ist die Ware palettiert und steht ein Stapler zur Verfügung, ist das Palettenregal effizienter. Alles dazwischen ist Weitspann-Territorium. Den ausführlichen Vergleich der Grundtypen finden Sie unter Regaltypen im Vergleich.

Die drei Systeme: WS 2000, WS 3000 und W 100

Im Kreckler-Sortiment stehen drei Weitspannregal-Serien, die sich vor allem in der Fachlast und im Maßraster unterscheiden. Die Fachlast gilt jeweils für gleichmäßig verteilte Last auf der Ebene.

System Fachlast je Ebene Feldbreiten Tiefen Wofür
WS 2000 bis 400 kg 1.500 bis 2.500 mm 400 bis 800 mm Kartonware, Reifen, Kunststoffbehälter, leichte Baugruppen
WS 3000 bis 621 kg 1.500 bis 2.500 mm 500 bis 1.000 mm Ersatzteile, Kanister, Werkzeugkisten, mittelschwere Güter
W 100 bis 1.015 kg 1.785 bis 2.500 mm 600 bis 1.200 mm schwere Bauteile, Metallware, Gebinde, breite Lagergüter

Alle drei Systeme werden gesteckt, nicht geschraubt, und lassen sich mit Anbauregalen zu Zeilen erweitern. Die Feldlast, also die Summe aller Ebenen zwischen zwei Stützrahmen, ist ein eigener Grenzwert und steht auf dem Belastungsschild. Sie liegt bei diesen Systemen im Bereich von 2.000 bis 3.000 kg. Wer sechs Ebenen mit je 500 kg belegt, hat 3.000 kg im Feld und damit unter Umständen die Feldlast überschritten, obwohl jede einzelne Ebene im grünen Bereich ist. Prüfen Sie immer beide Werte.

Stahlpaneel oder Spanplatte?

Die Ebenen gibt es wahlweise mit Stahlpaneelen oder Spanplatten. Stahl ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Öl, punktlaststabiler und leichter zu reinigen, deshalb erste Wahl in Kfz-Betrieben und für Kanister. Spanplatte ist günstiger, glatt und dämpft das Abstellen empfindlicher Teile, sie gehört aber in trockene Räume. Für beide gilt nach DGUV Information 208-061, Abschnitt 4.1.2.3: Die Durchbiegung der tragenden Elemente darf unter Nutzlast höchstens 1/200 der Stützweite betragen, bei Holzwerkstoffen 1/150. Bei 2.500 mm Feldbreite sind das 12,5 mm bzw. rund 17 mm. Wenn ein Boden sichtbar stärker durchhängt, ist die Ebene überlastet oder der Boden für dieses System nicht freigegeben.

Fachlast prüfen: Der Rechner

Ob WS 2000, WS 3000 oder W 100 reicht, entscheidet die schwerste Ebene. Mit dem Rechner ermitteln Sie aus Ebenenanzahl, Last je Ebene und Lagerart die erforderliche Fach- und Feldlast und sehen, welches System passt. Wählen Sie oben die Regalart „Weitspannregal".

Fachlast-Rechner

Erforderliche Fach- und Feldlast nach SCHULTE-Katalog und DGUV ermitteln

Regalart
Wie wird gelagert?
Aussteifung
Erforderliche Fachlast
150 kg
Typ 150 (150 kg je Ebene) wählen
Erforderliche Feldlast
600 kg
Zulässig sind 1.740 kg - passt (Schulte 13011 Anhang A2).
  • Höhe:Tiefe = 4.2:1 - Standsicherheit ohne zusätzliche Kippsicherung möglich (Herstellerangaben beachten). (DGUV 108-007 §4.1)
  • Bodenabstand 807 mm - über 600 mm wird die Knicklänge der Stütze maßgebend. Mehr Ebenen einplanen oder niedriger bauen. (DGUV 108-007 §11)
  • Ab 2.500 mm Bedienhöhe sind Hilfsmittel zum Be- und Entladen erforderlich (Tritt, Leiter oder Stapler). (DGUV 108-007 §4.1)
  • Belastungsschild mit Fach- und Feldlast gut sichtbar anbringen und jährliche Prüfung durch eine befähigte Person durchführen lassen. (DIN EN 15635 / DGUV 208-061)

Richtwerte auf Basis der Schulte-Montageanleitungen (13011 Anhänge A2-A5, 13033, 13048) und DGUV Regel 108-007 (Nachfolger: DGUV Information 208-061). Der Rechner ersetzt keine statische Bemessung nach DIN EN 15512 - maßgeblich sind die Traglastangaben des Herstellers für Ihre konkrete Konfiguration.

Der Rechner ersetzt keine statische Bemessung, er sortiert vor. Zwei Dinge werden dabei häufig unterschätzt:

  • Punktlasten: Die Fachlast gilt für gleichmäßig verteilte Last. Steht ein einzelner Motorblock in Feldmitte, wirkt er auf den Boden wie ein Vielfaches seines Gewichts. Als Faustregel sollte eine Einzellast höchstens ein Viertel der Nenn-Fachlast betragen; im Zweifel Last verteilen oder auf Stahlpaneel wechseln.
  • Kurze Zeilen: Eine einzelne Grundeinheit ohne Anbaufelder steht weniger stabil als eine lange Zeile. Beachten Sie die Herstellerangaben zu Aussteifung und Wandanbindung, bevor Sie die volle Fachlast ausnutzen.

Sonderfälle: Reifen, Langgut, Kommissionierung

Reifen und Räder sind der Klassiker: Ein Weitspannregal mit 2.500 mm Feldbreite nimmt je Ebene deutlich mehr Räder auf als ein Fachbodenregal, und der freie Zugriff ohne Zwischenstütze erleichtert das Ein- und Auslagern. Für breite und schwere SUV-Räder gibt es SUV-Regale mit extra starken Traversen und rund 1.285 mm lichter Fachbreite.

Langgut bis zur Feldbreite, etwa Profile, Rohre oder Leisten bis 2,5 m, lässt sich liegend auf Weitspannebenen lagern. Länger wird es nicht: Ab dort ist das Kragarmregal das richtige System, weil es keine Feldgrenzen hat.

Kommissionierung von Hand: Weitspannregale eignen sich für Artikel, die einzeln aus Kartons entnommen werden. Achten Sie dann auf die Greifhöhe: Ebenen oberhalb von etwa 1.800 mm sind ohne Tritt nur noch eingeschränkt nutzbar, schwere Ladeeinheiten gehören in den Bereich zwischen Knie- und Schulterhöhe.

Sicherheit: Was auch für handbediente Regale gilt

Ein verbreiteter Irrtum lautet, dass Regeln wie Belastungsschild und Prüfpflicht nur Palettenregale betreffen. Die DGUV Information 208-061 macht diese Unterscheidung nicht, sie knüpft an die Last an.

Belastungsschild ist Pflicht

Nach Abschnitt 4.2.7.1 müssen an ortsfesten Regalen Hersteller, Typbezeichnung, Baujahr oder Kommissionsnummer, zulässige Fach- und Feldlasten sowie die maximale Last der Ladeeinheit dauerhaft und deutlich erkennbar angebracht sein. Die Ausnahme für handbeladene Regale greift nur bei einer Fachlast unter 200 kg oder einer Feldlast unter 1.000 kg. Jedes Weitspannregal liegt darüber. Fehlt das Schild, etwa nach einem Gebrauchtkauf oder Umbau, darf nicht eingelagert werden, bis die Werte vom Hersteller oder einer befähigten Person bestätigt sind.

Standsicherheit und Aufstellung

Abschnitt 4.2.1 verlangt Standsicherheit in jedem Betriebszustand, auch beim Ein- und Auslagern. Für Regale, die von Hand bedient werden, sind zusätzliche Horizontalkräfte anzusetzen (Abschnitt 4.1.2.4). In der Praxis heißt das: Herstellerangaben zu Verankerung oder Wandanbindung einhalten, Zeilen untereinander verbinden und Regale lotrecht aufstellen. Nach Abschnitt 4.2.6 darf die Abweichung der Stützen von der Lotrechten bei voller Beladung höchstens 1/200 der Stützenhöhe betragen, bei 3.000 mm Höhe also 15 mm. Der Aufstellboden muss die Last aufnehmen können (Abschnitt 4.1.2.6), was bei 3.000 kg Feldlast auf vier Fußplatten schnell relevant wird.

Prüfpflicht

Lagereinrichtungen sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung. Der Unternehmer muss nach § 3 Abs. 6 BetrSichV Art, Umfang und Fristen der Prüfung in der Gefährdungsbeurteilung festlegen (DGUV Information 208-061, Abschnitt 6.1). Für Regale, die nur von Hand bedient werden, ist das Schadensrisiko geringer als bei Staplerbetrieb, aber nicht null: Überladung, verschobene Traversen und fehlende Sicherungsstifte sind die typischen Befunde. Eine regelmäßige Sichtkontrolle durch eigenes Personal plus eine jährliche Inspektion nach DIN EN 15635 ist auch hier der Stand der Technik. Wie beides organisiert wird, beschreibt der Leitfaden zur Regalprüfung.

Umbau nur unbeladen

Traversen versetzen, Ebenen ergänzen, Felder anbauen: Nach Abschnitt 5.2.1.1 dürfen Regale nur unter Beachtung der Aufbau- und Betriebsanleitung durch unterwiesene Personen aufgestellt und umgebaut werden, und der Umbau darf nur in unbeladenem Zustand erfolgen. Ändert sich durch den Umbau der Ebenenabstand oder die Feldbreite, ändert sich die zulässige Fachlast, und das Belastungsschild muss angepasst werden.

Planung in fünf Schritten

  • 1. Ladeeinheiten erfassen: größte Breite, Tiefe, Höhe und das Gewicht der schwersten Einheit je Ebene.
  • 2. Fach- und Feldlast ermitteln: mit dem Rechner oben; Punktlasten und Reserven berücksichtigen.
  • 3. System wählen: WS 2000 bis 400 kg, WS 3000 bis 621 kg, W 100 bis 1.015 kg je Ebene.
  • 4. Raster festlegen: Feldbreite nach Ladeeinheit, Tiefe nach Greifbarkeit, Höhe nach Bedienhöhe, Ebenenanzahl nach Feldlast.
  • 5. Aufstellung klären: Bodentragfähigkeit, Wandanbindung, Verkehrswege nach ASR A1.8, Belastungsschild, Prüfintervall.

Im Weitspannregal-Konfigurator stellen Sie Grund- und Anbauregale mit Ebenen und Böden zusammen und erhalten sofort Stückliste und Preis. Für Sonderfälle wie Mehrgeschossanlagen, ungewöhnliche Lasten oder die Anbindung an eine bestehende Regalzeile unterstützt Sie unsere Beratung.

Häufige Fragen

Ist ein Weitspannregal ein Schwerlastregal?

Der Begriff „Schwerlastregal" ist nicht genormt und wird im Handel für alles von 250 kg Fachlast aufwärts verwendet. Weitspannregale mit 400 bis 1.015 kg Fachlast fallen darunter, ebenso Palettenregale. Entscheidend sind die Werte auf dem Belastungsschild, nicht der Name. Mehr dazu unter Schwerlastregale: Tragfähigkeit berechnen.

Darf ich ein Weitspannregal mit dem Stapler beladen?

Nein. Weitspannregale sind für Handbedienung ausgelegt; Traversen und Böden sind nicht gegen Aushebekräfte gesichert, und es fehlen Anfahrschutz und Durchschubsicherung. Wird mit Fördermitteln be- oder entladen, gelten die Anforderungen für Palettenregale (DGUV Information 208-061, Abschnitte 4.2.3.3, 4.2.4 und 4.2.5).

Braucht ein Weitspannregal eine Wandbefestigung?

Das hängt vom Verhältnis Höhe zu Tiefe, von der Zeilenlänge und von den Herstellerangaben ab. Ein 3.000 mm hohes Regal mit 400 mm Tiefe braucht in aller Regel eine Wandanbindung oder eine Verbindung zur Nachbarzeile; ein 2.000 mm hohes Regal mit 800 mm Tiefe in einer langen Zeile meist nicht. Verbindlich ist die Aufbau- und Betriebsanleitung.

Quellen