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Fachlast und Feldlast beim Regal: Unterschied einfach erklärt (+ Belastungsschild richtig lesen)

Fachlast und Feldlast beim Regal: Unterschied einfach erklärt (+ Belastungsschild richtig lesen)

Fachlast und Feldlast sind nicht dasselbe: Definitionen nach DGUV 208-061, Belastungsschild richtig lesen, Lastverteilung und Durchbiegung prüfen.

Kreckler GmbH
14. Juli 2026
9 Min. Lesezeit

„Das Regal hält schon", mit diesem Satz beginnen viele Regalschäden. Wer Paletten oder Behälter einlagert, muss zwei Kennwerte sicher auseinanderhalten: die Fachlast und die Feldlast. Beide stehen auf dem Belastungsschild, beide begrenzen die zulässige Beladung, aber sie bedeuten nicht dasselbe. Wer sie verwechselt, überlastet das Regal, ohne es zu bemerken.

Dieser Ratgeber erklärt die beiden Begriffe nach DGUV Information 208-061, zeigt, wie Sie ein Belastungsschild richtig lesen, und warum die Verteilung der Last im Fach genauso wichtig ist wie ihr Gewicht. Wie Sie die Tragfähigkeit eines Regals rechnerisch ermitteln und dimensionieren, behandelt der separate Beitrag Schwerlastregale: Tragfähigkeit berechnen. Hier geht es um die Begriffe und ihre korrekte Anwendung im Lageralltag.

Fachlast und Feldlast: Definitionen nach DGUV 208-061

Die maßgebliche Regel ist die DGUV Information 208-061 „Lager- und Regaleinrichtungen" (Stand November 2023, aktualisiert Juli 2024). Sie hat die frühere DGUV Regel 108-007 abgelöst. Abschnitt 4.2.7.1 definiert die beiden Kennwerte so: „Die Fachlast ist diejenige Last, die in ein Fach eingebracht werden kann. Die Feldlast ist die Summe der Fachlasten in einem Feld, wobei in der Regel eine gleichmäßig verteilte Last zugrunde gelegt wird."

Übersetzt in die Praxis: Ein Fach ist eine einzelne Lagerebene zwischen zwei benachbarten Stützrahmen, bei Palettenregalen also ein Trägerpaar mit den darauf abgestellten Paletten. Ein Feld umfasst alle übereinanderliegenden Fächer zwischen denselben Stützrahmen, vom Boden bis zur obersten Ebene. Die Fachlast begrenzt die Träger einer Ebene, die Feldlast begrenzt die Stützrahmen, die das gesamte Feld tragen.

Ein Zahlenbeispiel für die Größenordnung liefert das Musterprotokoll der DGUV: Dort ist ein Palettenregal mit einer maximalen Fachlast von 2,25 t und einer maximalen Feldlast von 20 t ausgewiesen. Beide Werte gelten gleichzeitig. Keiner darf überschritten werden.

Warum Feldlast nicht gleich Fachlast mal Ebenen ist

Ein verbreiteter Irrtum: „Fünf Ebenen mit je 2,25 t Fachlast, also darf ich 11,25 t in das Feld stellen." Das kann stimmen, muss aber nicht. Die Feldlast ist ein eigenständiger Grenzwert, der sich aus der Statik der Stützrahmen ergibt, nicht aus der Addition der Fachlasten.

Der Grund: Die Stützen tragen die Summe aller Ebenen und werden zusätzlich auf Knicken beansprucht. Bei hohen Regalen mit vielen Ebenen liegt die zulässige Feldlast deshalb häufig unter dem rechnerischen Produkt aus Fachlast und Ebenenanzahl. Beim Beispiel aus dem DGUV-Musterprotokoll wären zehn Ebenen à 2,25 t rechnerisch 22,5 t. Zulässig sind aber nur 20 t im Feld.

Für die Praxis heißt das: Prüfen Sie vor der Einlagerung immer beide Werte. Ein Fach kann noch Reserve haben, während das Feld bereits an seiner Grenze ist, etwa wenn alle übrigen Ebenen mit schweren Ladeeinheiten voll belegt sind.

Das Belastungsschild richtig lesen

Nach DGUV Information 208-061, Abschnitt 4.2.7.1, müssen an ortsfesten Regalen folgende Angaben dauerhaft und gut sichtbar angebracht sein:

  • Hersteller oder Einführer des Regals
  • Typbezeichnung
  • Baujahr oder Kommissionsnummer
  • zulässige Fach- und Feldlasten
  • maximale Last der Ladeeinheit

Alternativ zur Fachlast kann der Hersteller die maximale Anzahl der Ladeeinheiten pro Fach zusammen mit der maximalen Last je Ladeeinheit angeben. Das läuft in der Summe auf dieselbe Begrenzung hinaus, ist aber für das Lagerpersonal oft leichter zu kontrollieren.

Bei neueren Schildern nach DIN EN 15512 kann eine Angabe fehlen, die viele erwarten: Die Norm fordert das maximale Gewicht der Ladeeinheit und die maximale Feldlast; eine Fachlastangabe ist bei verstellbaren Palettenregalen nicht mehr zwingend (DGUV Information 208-043, Abschnitt 4.11). Der Hintergrund: Bei verstellbaren Trägern hängt die Fachlast von der tatsächlichen Trägerhöhe ab. Wichtig: Werden Trägerebenen nachträglich versetzt, ändert sich die Statik. Das Schild muss dann vom Hersteller oder einer befähigten Person neu bewertet werden.

Fehlt das Belastungsschild ganz oder ist es unleserlich, gilt: nicht einlagern, sondern die Werte beim Hersteller erfragen oder das Regal durch eine befähigte Person bewerten lassen.

Die 200-kg/1.000-kg-Grenze: Wann kein Schild nötig ist

Die DGUV Information 208-061 nennt eine Ausnahme: Handbeladene Regale und Schränke mit einer Fachlast unter 200 kg oder einer Feldlast unter 1.000 kg, typischerweise Büroregale, benötigen die genannten Angaben nicht. Im Lager- und Werkstattbereich ist diese Ausnahme selten einschlägig: Ein Fachbodenregal mit Kleinteilen erreicht die Grenzen schnell, und jedes staplerbeschickte Regal liegt ohnehin darüber.

Sonderfall Kragarmregal

Bei Kragarmregalen für Langgut wie Rohre, Profile oder Platten passt das Schema Fach/Feld nicht, weil es keine geschlossenen Fächer gibt. Abschnitt 4.2.7.2 der DGUV Information 208-061 fordert deshalb stattdessen die Angabe der zulässigen Belastung je Kragarm und je Stütze. Auch hier gilt das Prinzip der zwei Grenzwerte: Einzelne Arme können noch Reserve haben, während die Stütze in Summe bereits ausgelastet ist.

Lastverteilung im Fach: Wie die Last liegt, entscheidet mit

Die Fachlast auf dem Schild ist keine bedingungslose Zahl. Sie gilt für eine gleichmäßig verteilte Last, so legt es schon die Definition der DGUV fest. Wie die Last im Fach liegt, verändert die Beanspruchung der Träger erheblich.

Streckenlast vs. Punktlast: Warum die halbe Fachlast gelten kann

Eine gleichmäßig über die Trägerlänge verteilte Last (Streckenlast) ist der Bemessungsfall, für den die Fachlast gilt. Konzentriert sich das Gewicht dagegen als reine Punktlast in Fachmitte, verdoppelt sich die Biegespannung im Träger. Zulässig ist dann nur noch die halbe Fachlast. Das ergibt sich aus den Trägerlastbeiwerten in Tabelle F.1 der DIN EN 15512:2010-09 und wird in der DGUV Information 208-043, Abschnitt 4.12, ausdrücklich behandelt.

Praktisch relevant wird das bei schweren Einzelstücken: ein Werkzeugkoffer mit Maschine, eine Gitterbox mittig im Fach, ein einzelnes schweres Aggregat. Gleichmäßig beladene Paletten dürfen dagegen näherungsweise als Streckenlast gelten. Der Normalfall im Palettenregal ist also abgedeckt.

Ebenfalls kritisch: zu tief eingelagerte Paletten. Steht die Palette nicht korrekt auf beiden Trägern auf, sondern zu weit in der Gasse oder im Regal, verlagert sich die Last. Innere Stützen und Träger werden überlastet, obwohl das Gesamtgewicht im Rahmen liegt (DGUV Information 208-043).

EPAL-Palettengewichte als Rechengröße

Für die Kontrolle der Ladeeinheiten hilft ein Blick auf die genormte EPAL-Europalette. Ihre Nutzlast beträgt 1.500 kg bei gleichmäßig verteilter Last; bei kompakter, vollflächig aufliegender Last sind bis zu 2.000 kg zulässig. Werden Paletten gestapelt, darf die unterste Palette mit maximal 4.000 kg Auflast belastet werden. Wer diese Werte kennt, erkennt schnell, ob eine Ladeeinheit überhaupt zur Angabe „max. Last der Ladeeinheit" auf dem Belastungsschild passt.

Überlastung erkennen: Durchbiegung messen

Träger biegen sich unter Last durch. Das ist normal und einkalkuliert. Entscheidend ist das Maß. Nach DGUV Information 208-043, Abschnitt 4.4 (auf Basis der DIN EN 15635), gilt bei Nennlast eine maximale Trägerdurchbiegung von 1/200 der Spannweite, also 5 mm pro Meter. Bei einem 2,7-m-Träger sind das 13,5 mm.

Die Prüfung gelingt mit Bordmitteln: eine 1-m-Wasserwaage und zwei 5-mm-Distanzstücke. Die Distanzstücke an die Enden der Wasserwaage setzen, unter den belasteten Träger halten. Berührt der Träger die Wasserwaage in der Mitte, ist die zulässige Durchbiegung überschritten.

Drei weitere Grenzwerte gehören in jede Sichtkontrolle:

  • Bleibende Verformung: Ein entlasteter Träger muss zurückfedern. Bleibt im unbelasteten Zustand mehr als 1/1000 der Spannweite (1 mm pro Meter) Verformung zurück, ist der Träger überlastet worden: entlasten und prüfen lassen.
  • Horizontale plastische Verformung: Seitlich verbogene Träger sind bis 2,5 mm pro Meter tolerierbar, 50 % der vertikalen Nenndurchbiegung.
  • Lotrechte der Stützen: Die Abweichung darf bei voller Beladung maximal 1/200 der Stützenhöhe betragen (DIN EN 15620 bzw. DGUV Information 208-061, Abschnitt 4.2.6).

Wie Sie festgestellte Schäden einordnen und welche Konsequenzen folgen, beschreibt der Ratgeber zu den Schadensklassen Grün/Gelb/Rot. Und weil verformte Stützen häufig von Anfahrschäden stammen, gehört ein intakter Rammschutz an jede staplerbefahrene Regalzeile.

Die Normenfamilie im Überblick

Fach- und Feldlast stehen nicht isoliert, sondern in einem abgestimmten Normenwerk für Palettenregale:

  • DIN EN 15512 (statische Bemessung): legt fest, wie Träger und Stützrahmen ausgelegt werden.
  • DIN EN 15620 (Grenzabweichungen, Verformungen und Freiräume): definiert unter anderem die Toleranzen für Lotrechte und Durchbiegung.
  • DIN EN 15629 (Spezifikation der Lagereinrichtung): regelt die Abstimmung zwischen Betreiber und Hersteller vor der Bestellung.
  • DIN EN 15635 (Anwendung und Wartung): Grundlage für Inspektionen und den sicheren Betrieb.

Für den Betrieb ergänzt § 14 Abs. 2 BetrSichV die Pflicht zur wiederkehrenden Prüfung. Die DIN EN 15635 konkretisiert: Experteninspektion mindestens alle 12 Monate plus regelmäßige Sichtkontrollen durch das eigene Personal. Details und Ablauf finden Sie im Leitfaden zur Regalprüfung nach DIN EN 15635.

Checkliste: 7 Punkte vor der Einlagerung

  • 1. Belastungsschild vorhanden und lesbar? Ohne gültige Angaben keine Einlagerung.
  • 2. Gewicht der Ladeeinheit bekannt? Es darf die maximale Last der Ladeeinheit laut Schild nicht überschreiten.
  • 3. Fachlast eingehalten? Summe aller Ladeeinheiten in der Ebene gegen den Schildwert prüfen.
  • 4. Feldlast eingehalten? Summe über alle Ebenen des Feldes bilden, nicht nur das eine Fach betrachten.
  • 5. Last gleichmäßig verteilt? Bei Punktlast in Fachmitte gilt nur die halbe Fachlast.
  • 6. Palette korrekt positioniert? Nicht zu tief einlagern, sonst werden innere Stützen und Träger überlastet.
  • 7. Regal unbeschädigt? Durchbiegung im Rahmen, Stützen im Lot, Rammschutz intakt, keine offenen Mängel aus der letzten Prüfung.

FAQ: Häufige Fragen zu Fachlast und Feldlast

Was ist die Fachlast?

Die Fachlast ist nach DGUV Information 208-061 diejenige Last, die in ein einzelnes Regalfach eingebracht werden darf, also in eine Lagerebene zwischen zwei Stützrahmen. Sie gilt für gleichmäßig verteilte Last; bei einer Punktlast in Fachmitte ist nur die halbe Fachlast zulässig.

Was bedeutet Feldlast?

Die Feldlast ist die Summe der Fachlasten in einem Feld, also in allen übereinanderliegenden Fächern zwischen zwei Stützrahmen. Sie ist ein eigenständiger Grenzwert aus der Statik der Stützen und kann niedriger sein als Fachlast mal Ebenenanzahl. Beide Werte müssen gleichzeitig eingehalten werden.

Ab wann braucht ein Regal ein Belastungsschild?

Ortsfeste Regale benötigen nach DGUV Information 208-061 Angaben zu Hersteller, Typ, Baujahr oder Kommissionsnummer, Fach- und Feldlasten sowie zur maximalen Last der Ladeeinheit. Ausgenommen sind nur handbeladene Regale und Schränke mit einer Fachlast unter 200 kg oder einer Feldlast unter 1.000 kg, zum Beispiel Büroregale. Jedes staplerbeschickte Regal braucht das Schild in jedem Fall.

Sie sind unsicher, ob Ihre Belastungsschilder zur tatsächlichen Konfiguration passen, oder planen eine Umrüstung? Unsere Beratung unterstützt Sie bei der Bewertung und Auslegung Ihrer Regalanlage.