Regalprüfung: Gut gemeint ist nicht gut gemacht
Viele Unternehmen nehmen die Regalprüfung ernst – und machen dennoch vermeidbare Fehler, die im Ernstfall teuer werden können. Ob fehlende Dokumentation, übersehene Schadensklassen oder mangelnde Schulung: Wir zeigen Ihnen die 10 häufigsten Fehler bei der Regalinspektion und wie Sie sie vermeiden.
Fehler 1: Keine PRSES benannt
Die DIN EN 15635 schreibt vor, dass jeder Betrieb mit Regalanlagen eine Person Responsible for Storage Equipment Safety (PRSES) benennen muss. Diese Person koordiniert alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen rund um die Regale. In der Praxis fehlt dieser Verantwortliche in erstaunlich vielen Unternehmen.
Tipp: Benennen Sie die PRSES schriftlich und sorgen Sie für eine angemessene Schulung. Die Benennung sollte auch der Berufsgenossenschaft vorliegen.
Fehler 2: Wöchentliche Sichtprüfung wird ignoriert
Die jährliche Expertenprüfung allein reicht nicht aus. Zwischen den Inspektionen können neue Schäden entstehen – durch Stapleranfahrten, Überladung oder äußere Einflüsse. Die wöchentliche Sichtprüfung durch geschultes Lagerpersonal ist ebenso Pflicht.
Tipp: Erstellen Sie eine einfache Checkliste für die wöchentliche Rundgangs-Kontrolle und dokumentieren Sie die Ergebnisse digital.
Fehler 3: Schäden nicht sofort gekennzeichnet
Ein beschädigtes Regalelement wird bemerkt, aber nicht sofort markiert. Andere Mitarbeitende beladen das Regal weiter – mit potenziell fatalen Folgen. Laut DIN EN 15635 müssen Schäden der Stufe "Rot" sofort zur Sperrung des betroffenen Feldes führen.
Tipp: Halten Sie ausreichend rote Absperrbänder und Warnschilder im Lager bereit. Schulen Sie alle Mitarbeitenden im Umgang mit erkannten Schäden.
Fehler 4: Fehlende oder veraltete Tragfähigkeitsschilder
Jedes Regalfeld muss ein gut sichtbares Schild mit der maximalen Fachlast tragen. In der Praxis sind diese Schilder oft verblasst, beschädigt oder schlicht nicht vorhanden. Das ist ein schwerwiegender Verstoß.
Tipp: Prüfen Sie alle Tragfähigkeitsschilder auf Lesbarkeit und Aktualität. Bei Änderungen an der Regalkonfiguration müssen die Schilder angepasst werden.
Fehler 5: Unzureichende Dokumentation
Die BetrSichV schreibt vor, dass alle Prüfungen, Mängel und Maßnahmen schriftlich dokumentiert werden müssen. Aufzeichnungen müssen mindestens bis zur nächsten Prüfung aufbewahrt werden. Mündliche Absprachen gelten im Schadensfall nicht als Nachweis.
Tipp: Nutzen Sie ein digitales Prüfprotokoll. Tools wie RegalCheck ermöglichen eine rechtssichere Dokumentation inkl. Fotodokumentation.
Fehler 6: Prüffristen überschritten
Die Expertenprüfung muss mindestens alle 12 Monate stattfinden. In der Hektik des Tagesgeschäfts wird dieser Termin oft vergessen oder verschoben. Das ist nicht nur ein Normverstoß, sondern ein Haftungsrisiko.
Tipp: Richten Sie automatische Erinnerungen ein – mindestens 8 Wochen vor Fälligkeit, damit genug Zeit für die Terminplanung bleibt.
Fehler 7: Eigenreparaturen ohne Herstellerfreigabe
Beschädigte Regalstützen werden vom hauseigenen Schlosser geschweißt oder gerichtet. Das ist nicht zulässig, da die Statik der Regalanlage beeinträchtigt werden kann. Reparaturen und Austausch dürfen nur mit Original-Ersatzteilen und nach Herstellervorgaben erfolgen.
Tipp: Lassen Sie beschädigte Bauteile immer durch Originalteile ersetzen. Dokumentieren Sie jeden Austausch.
Fehler 8: Anfahrschutz fehlt oder ist beschädigt
Regalstützen in Bereichen mit Stapler- oder Hubwagenverkehr benötigen einen Anfahrschutz. Dieser wird beim Einbau oft vergessen oder nach einem Aufprall nicht erneuert. Ungeschützte Stützen sind die häufigste Ursache für Regalschäden.
Tipp: Statten Sie alle exponierten Regalstützen mit geprüftem Anfahrschutz aus und kontrollieren Sie diesen regelmäßig.
Fehler 9: Falsche Nutzung der Regalanlage
Regale werden oft anders genutzt, als ursprünglich geplant: schwerere Paletten, andere Palettentypen oder zusätzliche Ebenen. Jede Änderung der Nutzung erfordert eine statische Neuberechnung und ggf. eine Anpassung der Tragfähigkeitsschilder.
Tipp: Informieren Sie den Regalhersteller über jede geplante Nutzungsänderung vor der Umsetzung.
Fehler 10: Kein Notfallplan für Regalschäden
Was passiert, wenn ein Regal durch einen Staplerunfall stark beschädigt wird? Viele Betriebe haben keinen definierten Prozess für solche Situationen. Ein Notfallplan regelt, wer informiert wird, wie die Absperrung erfolgt und welche Schritte eingeleitet werden.
Tipp: Erstellen Sie einen Notfallplan für Regalschäden und hängen Sie ihn gut sichtbar im Lager aus. Üben Sie den Ablauf mit dem Lagerpersonal.
Fazit: Prävention spart Kosten und schützt Menschenleben
Jeder dieser Fehler lässt sich mit überschaubarem Aufwand vermeiden. Investieren Sie in Schulung, Dokumentation und regelmäßige Kontrollen – Ihre Mitarbeitenden und Ihr Betrieb werden es Ihnen danken. Digitale Lösungen wie RegalCheck unterstützen Sie dabei, den Überblick zu behalten und alle Fristen einzuhalten.